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Seite des Gemeindepräsidenten

Liebe Einwohnerinnen
Liebe Einwohner

Wir sind es uns schon lange gewohnt, dass Tendenzen aus Amerika mit etwas Verspätung Europa und noch ein bisschen später auch die Schweiz erreichen und beeinflussen. Nicht alle Einflüsse sind positiv, längst nicht alle negativ. Fastfood hat unsere Esskultur verändert, Socialmedia unsere Art der Kommunikation. Entwicklungen aus dem Silicon Valley haben unsere Arbeit erleichtert. Manchmal - geben wir es zu - ärgern sie uns auch. Ein alter Spruch aus der Zeit der ersten Windows-Betriebssysteme zeugt davon: Warum ist es gut, dass Microsoft keine Fallschirme produziert? Wenn Sie die Reissleine ziehen, würde ein Fenster erscheinen: „Wollen Sie den Fallschirm öffnen?“ Sie klicken verzweifelt auf „Ja“. Es erscheint das nächste Fenster: „Sind Sie sicher?“

Nach „Yes, we can“ folgt nun ein weiteres Schlagwort aus den USA: „America first“. Dieses scheint schnell Einfluss auch in der Schweiz zu erlangen.

Vor ein paar Tagen hat der Gemeinderat ein Schreiben aus der Gemeinde Däniken erhalten. Darin wird die Vereinbarung des Kernkraftwerk-Steuerverteilers gekündigt, bzw. mitgeteilt, dass diese nicht verlängert wird. Begründet wird der einstimmige Gemeinderatsbeschluss aus Däniken mit der Wirkung des neuen Finanzausgleichs. Däniken sieht sich nicht mehr in Lage den Steuerverteiler zu verlängern. Eine Gemeinde, welche Steuerfüsse festlegen kann, welche teilweise die Hälfte der 9 restlichen Partnergemeinden betragen, mutet diesen also Steuerausfälle zu, die eventuell dort Steuererhöhungen zur Folge haben.

Nebenbei: Der Steuerverteiler hat bei seiner Einsetzung den Zweck verfolgt, die Akzeptanz für das KKG und Solidarität in der Region sicherzustellen. Nicht wegzudiskutierende Nachteile für die Nachbargemeinden sollen damit etwas entschädigt werden. Diese Standortnachteile bestehen für die Niederämter Gemeinden nach wie vor. Mit dem Finanzausgleich hat das nichts zu tun.

Nun also „Däniken first“. Wir lernen immer schneller von den Amerikanern. Längst nicht alle Einflüsse sind negativ. Dieser schon.

Die 9 Vertragsgemeinden, darunter auch Winznau, haben der Gemeinde Däniken eine Einladung zu einem einvernehmlichen Gespräch zukommen lassen. Wir wollen, dass die alten Tugenden noch etwas wert sind und die Solidarität unter den Niederämter Gemeinden weiter besteht und eine faire Nachfolgeregelung gefunden wird. Dazu müssen selbstverständlich auch alle finanziellen Auswirkungen auf den Tisch. Diese hätten wir gerne mit Däniken bei einem Gespräch unter Beteiligung aller betroffenen Gemeinden ausdiskutiert. Im Nachhinein, wenn das Geschirr zerschlagen ist, zu reklamieren, dass alle Gemeinden genau gleich im Interesse ihrer Gemeinden gehandelt hätten, macht zusätzlich betroffen. Selbst vorausgesetzt, dass wir an gleicher Stelle ähnliche oder gar gleiche Schlüsse aus der Situation gezogen hätten, wäre der erste Schritt das Gespräch gewesen. Genügend Zeit dazu war ja vorhanden.

In Memoriam Wilfried Nyffenegger


Die Nachricht, dass Wilfried Nyffenegger uns am 30. Januar 2017 für immer verlassen hat, traf uns trotz seines biblischen Alters überraschend. Er gehörte zu unserem Dorf, wie kaum eine andere Persönlichkeit und irgendwie hatte man das Gefühl, dass er, der unermüdliche Kämpfer für eine gute Schulbildung, den Gesetzen der Alterung nicht unterliegt.

Mit Wilfried Nyffenegger verlieren wir nicht nur ein verdientes ehemaliges Behördenmitglied, sondern auch ein menschliches Vorbild.

Über Jahrzehnte hat er sich in der Schulkommission und in der Kreisschule Mittelgösgen mit Idealismus, mit grosser Durchsetzungskraft und erfolgreich für unsere Schule und das Bildungswesen eingesetzt. 1969 in die Schulkommission gewählt, übernahm er bereits 1972 deren Präsidium. Dieses führte er bis Ende 1989 mit viel Geschick und Engagement. Er führte jedoch nicht bloss die Schulkommission, sondern füllte das Amt mit Leben und prägte in dieser Zeit das Bildungswesen in unserem Dorf massgeblich und nachhaltig.

Mit seiner Arbeit erwarb er sich hohe Kompetenz und regionale Anerkennung und wurde folgerichtig angefragt, das Präsidium der Kreisschulkommission Mittelgösgen zu übernehmen. Ab 1990 führte Wilfried Nyffenegger die Kreisschule während 2 Amtsperioden in eine erfolgreiche Zukunft. Gesamthaft stellte er sich während 25 Jahre in den Dienst der Kreisschule und hat Wesentliches zur Gründung der Kreisschule Mittelgösgen beigetragen.

Zusammen mit seiner Tätigkeit für die Schulkommission Winznau hat Wilfried Nyffenegger also fast 3 Jahrzehnte enorm viel für die Bildung der Kinder, die auch alle „seine“ Kinder waren, im Dorf geleistet. Viele erinnern sich gerne und mit Respekt an ihn. Wilfried hat jedoch nicht nur in seinen Funktionen in der Schulkommission und der Kreisschule mit Leistung, Zielstrebigkeit und Idealismus überzeugt, sondern auch als Mensch. Bis zuletzt hat er sich für sein Dorf interessiert. Es lag ihm sehr viel an Winznau, seinem Dorf. Persönlich habe ich ihn sehr geschätzt: Als Mensch, als Gesprächspartner und als Vorbild. Sein klares und strukturiertes Denken und seine schnelle Auffassungsgabe waren bis zuletzt bewundernswert.

Ich habe anfangs erwähnt, dass uns Wilfried Nyffenegger für immer verlassen hat. Er bleibt uns jedoch in all jenen erhalten, welche das Glück hatten, ihn kennen zu lernen. Wilfried hatte Einfluss auf die Menschen und so tragen diese alle noch seine Gedanken, seine Ideen und seine Worte in ihren Herzen und bleibt unvergessen.

Den Angehörigen erbiete ich im Namen des Gemeinderates und der Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde Winznau meine herzliche Anteilnahme.

Winznau, quo vadis?

Sie erinnern sich? In der Räbeblatt-Ausgabe vom August des letzten Jahres habe ich Sie ermutigt, mir Ihre Wünsche, Anliegen und Anregungen bezüglich der Entwicklung unseres Dorfes mitzuteilen.

Es haben mich doch einige Rückmeldungen erreicht, darunter sehr interessante. Ich bedanke mich ausdrücklich bei allen, welche sich die notwendige Zeit genommen und sich Gedanken zu unserem Dorf gemacht haben. Die Anliegen aus der Bevölkerung sind natürlich sehr unterschiedlich. Ich versuche, die wichtigsten Anregungen hier wiederzugeben.

Sie lassen sich in etwa in folgende Bereiche einteilen:
§  Infrastruktur
§  Sicherheit
§  Sauberkeit

Infrastruktur
Nicht überraschend sind die meisten Rückmeldungen zu diesem Bereich eingetroffen. Sie betreffen sehr unterschiedliche Interessen.

Ein wichtiges Anliegen ist die Ansiedlung von Gewerbebetrieben und hier insbesondere eines Dorfladens. Dieser findet Unterstützung in breiten Kreisen unserer Bevölkerung, sprich von Jung bis Alt.

Andere Anliegen betreffen speziell die Interessen junger Familien. Hier stehen im Vordergrund Kinderbetreuungsangebote (Kinderhort, Mittagstisch, Hausaufgabenhilfe etc.), Jugendtreff, ein öffentlich nutzbarer Raum. Das geht vom Restaurant als Treffpunkt bis hin zum Spielplatz und zur kleinen Badi.

Wiederum andere wünschen sich öffentliche Parkplätze bis hin zum flächendeckenden Parkierungskonzept.

Sicherheit
Wer in diesem Zusammenhang das Wort Sicherheit in den Mund nimmt oder niederschreibt, der zielt ausnahmslos auf die Verkehrssicherheit. Dazu gibt es 2 Themenbereiche. Tempo 30 und Parkierung auf den Gemeindestrassen. Zu beiden Themen hat sich der Gemeinderat bereits von der Fachstelle der Polizei beraten lassen. Diese rät ab, das Parkieren auf den Gemeindestrassen grundsätzlich zu verbieten. Parkierte Fahrzeuge sind die günstigste Form, um das Tempo zu reduzieren. Fallen diese weg, haben die Fahrzeuglenker freie Sicht und fahren erwiesenermassen schneller. Nun kommt es darauf an, aus welchem Blickwinkel man das betrachtet. Was als Fussgänger und Anwohner Vorteile bringt, kann Fahrzeuglenker verunsichern und ärgern. Beide Parteien (nennen wir sie mal so) benutzen dann verständlicherweise das Argument der Sicherheit. Der Fussgänger das tiefere Tempo, der Fahrzeuglenker die beeinträchtigte Sicht. Der Gemeinderat hält sich an den Rat der Fachstelle und muss darauf vertrauen, dass Fahrzeuglenker sich an die Strassenverkehrsgesetzgebung halten. Und diese verlangt, dass das Tempo immer und überall den Verhältnissen anzupassen ist, egal welche Tempolimite gilt. Das gilt auch für Fahrradfahrer.

Anlässlich einer Vorortbesichtigung der Kleinfeldstrasse mit der Fachstelle Verkehr der Kantonspolizei Solothurn habe ich die Frage nach dem Tempo vorbeifahrender Fahrzeuge gestellt. Die Antwort war: „Knapp 30 Stundenkilometer, aber das ist an dieser Stelle zu schnell. Die Fahrzeuglenker haben keine Chance, vor einem plötzlich auftauchenden Hindernis anzuhalten.“ Das lässt den Schluss zu, dass die Geschwindigkeit von 30 km/h oft falsch eingeschätzt wird. Was der Fahrzeuglenker subjektiv als angepasste Geschwindigkeit beurteilt, empfindet der Fussgänger als deutlich höhere, ja gar überhöhte Geschwindigkeit. Legt man diesem Empfinden zum Vergleich die Vorbeifahrt eines Mofas gegenüber, versteht man diese Beurteilung.

Das Strassenverkehrsgesetz ist grundsätzlich einzuhalten. Trotzdem kann die Einführung von Tempo 30 natürlich ein Thema sein. Es müsste aber da, wo dies offensichtlich am sinnvollsten erscheint, keine bis wenig Wirkung erzielen, weil ohnehin nicht schneller gefahren werden kann, bzw. darf. Diese Vermutung liessen wir durch die Fachstelle mittels verdeckter Radarmessungen überprüfen. Die Messungen durch die Polizei haben ergeben, dass auch bei einer Tempolimite von 30 km/h statt derzeit 50 km/h fast keine Tempi gemessen wurden, die zu Bussen geführt hätten. Ich gebe denen Recht, die sagen, dass teilweise zu schnell gefahren wird, denn auch Tempo 30 km/h stellt per se die gesetzliche Vorgabe einer angepassten Geschwindigkeit nicht sicher.

Für die Einführung von Tempo 30 Zonen sind gewisse Vorgaben zu beachten. Eine der Anforderungen verlangt, der Name Tempo 30 Zone sagt es aus, dass keine einzelnen Strassen beschränkt werden dürfen. Für Tempo 30 Zonen ist eine Expertise notwendig, welche den Bedarf belegt und nachweist, wie die Wirkung sichergestellt werden soll. Die Wirksamkeit muss später regelmässig überprüft werden. Planung und Umsetzung nehmen im günstigsten Fall 1 - 2 Jahre in Anspruch. Die geschätzten und auf Erfahrungswerten beruhenden Kosten von mindestens Fr. 100‘000.- bis zu einem Vielfachen machen zwingend einen Gemeindeversammlungsbeschluss notwendig.

Sauberkeit
Die Sauberkeit der Gemeinde liegt unseren Einwohnerinnen und Einwohnern genauso am Herzen. Dabei sind nicht nur die Gemeindestrassen angesprochen worden, sondern auch das saubere Erscheinungsbild der Buswartehäuschen oder der Naherholungsgebiete an der Aare oder zum Beispiel im Sidemätteli.

Ich darf abschliessend erfreut festhalten, dass wir einige sehr interessante Rückmeldungen erhalten haben. Es stellt sich natürlich die Frage, wie wir, der Gemeinderat und allenfalls andere Behörden mit den Informationen umgehen. Grundsätzlich sind die Themen im Gemeinderat noch zu beraten und je nach Entscheid oder Notwendigkeit in die Planung einzubeziehen.

Einige Wünsche sind jedoch relativ einfach und schnell umsetzbar. Eine kurze Mitteilung, ein Hinweis an die zuständige Stelle genügen. Diese sind denn auch bereits erfolgt. Dann gibt es Themen, an welchen der Gemeinderat bereits arbeitet. Die erhaltenen Rückmeldungen bestätigen und motivieren somit, an diesen Projekten zielgerichtet weiter festzuhalten. Als Beispiel darf ich hier die Ansiedlung eines Dorfladens nennen. Ein geeigneter Standort stünde zwar zur Verfügung. Es fehlt bis jetzt aber ein interessierter Anbieter, der eine wirtschaftliche Basis am Standort Winznau sieht. Wie wir wissen, kämpft der Detailhandel derzeit mit erschwerten Rahmenbedingungen und rückläufigen Umsätzen. Frankenschock und damit verbundenes verändertes Einkaufsverhalten zeigen nach wie vor Wirkung. Trotzdem werden wir selbstverständlich dieses Anliegen prioritär behandeln.

Die anspruchsvollsten Anliegen betreffen diejenigen, welche einer Interessengruppe zuzuordnen sind. Dazu gehören insbesondere Wünsche nach Angeboten wie Mittagstisch, Kinderhort etc.. Hier ist zu beurteilen, ob die für Familien sicher sehr hilfreichen Anliegen auch im Interesse der Mehrheit der Bevölkerung sind. Sprich, haben wir es mit einer öffentlichen Aufgabe zu tun oder gilt ausschliesslich oder teilweise das Verursacherprinzip? Die Beantwortung dieser Frage hat massgeblichen Einfluss auf das allfällige Finanzierungsmodell und die Organisation.

Bei allen Rückmeldungen fehlen denn auch Ideen oder Angebote zur Finanzierung und Mithilfe bei der Umsetzung. Selbstverständlich und nicht ganz unerwartet. Wäre es denn auch einfach, dann hätten wir die Ideen dazu vermutlich auch vorgeschlagen erhalten.

Hier wird der Gemeinderat die erhaltenen Rückmeldungen bei den zukünftigen strategischen Entscheiden mit berücksichtigen. Immer im Interesse der Gesamtbevölkerung.

Und zum Schluss

Windows ist ein Echtzeitbetriebssystem. Wer damit arbeiten will, muss echt Zeit haben! [unbekannt, aber wahr]


Mit freundlichen Grüssen

Daniel Gubler



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